Wie wäre es abgelaufen, wenn ich mit meinem jetztigen Entwicklungszustand mich vor zehn Jahren, also mit 16 getroffen hätte? Die Frage ist hypothetisch, lässt sich aber durchaus auf andere junge Transgender ausweiten. Was sage ich einem/r jungen Transe, wenn er/sie total im Arsch ist; nicht weiß was mit ihm/ihr los ist?
Vielleicht erinnere ich mich einmal, wie es genau war, damals.
Ich habe mich vor allem alleine gefühlt. Niemand wusste, was mit mir los war, v.a. nicht ich selber. Deswegen, so dachte ich, kann es niemand anders wissen. Warum also jemanden fragen? Warum also etwas preisgeben, was man selber nicht genau eingrenzen kann?
Man verbringt irrsinnig viel Zeit damit sich zu verstecken. Vor anderen und was noch viel schlimmer ist: Vor sich selber! Ich kam damals nicht darauf Kontakte im Internet zu knüpfen, vielleicht wäre alles anders geworden, aber vielleicht auch nicht besser. Vielleicht? Vielleicht!
Meine Situation hat sich gefestigt. Ich weiß, dass ich ich bin und dass das auch voll in Ordnung ist. Ich habe Wege gefunden auch im Alltag ich selber zu sein, es gibt keine zwei Hälften mehr, höchstens beim Kleidungsstil.
Ich habe eine Freundin und mehrere richtige Freunde, die es wissen. Auch ansonsten verstecke ich mich nicht mehr. Wenn mich jemand darauf ansprechen würde, ich würde nicht lügen.
16-jähriges Ich trifft auf 26-jähriges Ich. Bumm. Riesenaugen auf beiden Seiten. Vorsichtiges beschnuppern, kurzes herumreden und dann die Frage vom 16 an den 26-jährigen:
„Was ist mit mir los? Bin ich normal? Was bin ich?“
Dem 26-jährigen schießen sofort Gedanken wie: Klar, alles super!, Du bist normal! und irgendwann bekommst du sogar ne Freundin durch den Kopf. Ist es das, was der 16-jährige hören will? Was er braucht?
Ich denke nach, erinnere mich und sage:
„Du bist so wie du bist in Ordnung. Du wirst es erst noch feststellen. Ich mag dich, auch wenn du anders bist als ich!“